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Was Xeikon messbar macht.

Nachhaltigkeit als Ingenieursleistung

Viele Hersteller sprechen von „Nachhaltigkeit“, doch für die PPWR-Compliance zählen nur messbare Reduktionen des Carbon Footprints (CF). Xeikon verfolgt seit 2009 eine datengetriebene Strategie, die nicht auf Zertifikats-Kauf basiert, sondern auf physikalischer Prozessoptimierung. Die folgenden Daten basieren auf dem Sustainability Report 2025 von Dr. Lode Deprez (VP R&D & Sustainability).

Das Ziel ist klar: Reduktion des gesamten Carbon Footprints um 35–40 % bis 2030 (aligniert mit den UN-Zielen). Der Schlüssel liegt nicht in den direkten Emissionen der Produktion, sondern in Scope 3 – der Lieferkette und der Nutzung der Produkte.

Scope 1, 2 & 3: Wo die Hebel wirklich liegen


Die 94%-Herausforderung

Ein häufiges Missverständnis ist der Fokus auf den eigenen Fabrikgelände. Bei Xeikon machen die direkten Emissionen (Scope 1) und der eingekaufte Strom (Scope 2) zusammen weniger als 6 % des Gesamtfussabdrucks aus. Der Grund: Seit 2009 wird in Belgien zu 100 % mit grünem Strom produziert (extern und lokal via Solaranlagen).

Der entscheidende Faktor ist Scope 3 (94 % der Emissionen). Hier setzt die Strategie an:

  • Purchased Goods (22 %): Rohmaterialien für Toner, Maschinen und Teile. Hier wird der Anteil an recyceltem Kunststoff und erneuerbarem Kohlenstoff massiv erhöht.
  • Transport & Distribution (25 %): Logistik ist ein Haupthebel. Weniger als 9 % des Gewichts der Xeikon-Güter verursachen über 95 % der Logistik-Emissionen (durch Luftfracht). Der Plan: Drastische Reduktion von Air-Freight zugunsten von Seefracht.
  • Use of Sold Products (23 %): Der Energieverbrauch der Maschinen beim Kunden. Durch effizientere Motoren und intelligente Sleep-Modes wird der Verbrauch pro gedrucktem Quadratmeter gesenkt.

Konkrete Massnahmen: Was bereits umgesetzt ist


Vom Wort zur Tat

Nachhaltigkeit bei Xeikon ist kein neues Trendthema, sondern seit Jahrzehnten Teil der DNA. Folgende Massnahmen sind bereits wirksam:

  • 100 % Grünstrom: Seit 2009 in allen Produktionsstätten (Lier & Heultje). Eigene Solaranlagen mit über 3.000 Panelen reduzieren die Abhängigkeit vom Netz.
  • Recycelter Toner (QB-ECO): Die Harz-Komponente des ECO-Toners besteht zu 60 % aus recycelten PET-Flaschen (gesammelt, gereinigt und zu Monomeren verarbeitet). Das ist gelebte Defossilisierung – nicht nur Dekarbonisierung.
  • Logistik-Optimierung: Umstellung von Einweg-Verpackungen auf mehrwegfähige Holzkisten für den Motorentransport. Ersatz von schwarzen PU-Boxen für OPC-Trommeln durch Wellpappe.
  • Flotten-Wandel: Konsequente Umstellung des globalen Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge (Ziel: 100 % elektrisch bis 2027).

Der Carbon Footprint Calculator


Transparenz pro gedrucktem Quadratmeter

Xeikon hat einen internen Rechner entwickelt, um den CO2-Fussabdruck jeder gedruckten Seite zu beziffern. Dieser betrachtet drei Faktoren, die der Kunde beeinflussen kann:

  1. Energieverbrauch: Gemessen in vier Zuständen (Druck, Standby, Conditioned, Initialisiert). Beispiel LX3000: Nur 1 kW im Initialisierungs-Modus, 18 kW im Druck.
  2. Verbrauchsmaterial: Gewicht der Tinte/Toner multipliziert mit dem Emissionsfaktor der Rohstoffe (z.B. Polyester vs. Acryl-Monomere).
  3. Abfall & Verschleiss: Ersatzteile (Trommeln, Developer) und Verpackungen der Consumables werden in Gramm CO2 pro m² umgerechnet.

Wichtig: Eine „carbon neutral produzierte Maschine“ bedeutet nicht automatisch „carbon neutral printing“. Der laufende Betrieb (Energie + Consumables) ist über die Lebensdauer der entscheidende Faktor.

Vergleich: Emissionen der Technologien (g CO2 / m²)

Diese Tabelle zeigt die gemessenen Werte für verschiedene Digitaldruck-Technologien bei 100 % Flächendeckung. Die Daten basieren auf realen Messungen (ISO 20690) und den Emissionsfaktoren der Materialien (Ramboll Data 2022).

Technologie

CO2-Fussabdruck & Treiber

Xeikon Trockentoner (QBI) ca. 7.7 – 7.8 g CO2 / m²
Hauptfaktor: Toner-Masse und Energie. Kein Lösungsmittel, keine Verdampfung. Polyester-Harz hat niedrigen Emissionsfaktor.
Vorteil: Konsistent niedriger Wert durch feste Chemie.
Xeikon Trockentoner (ECO) Reduziert durch Recyclat
Durch den Einsatz von 60 % recyceltem PET im Harz wird der CO2-Faktor der Rohmaterialien signifikant gesenkt.
Vorteil: Aktive Defossilisierung der Lieferkette.
Flüssigtoner Erhöhter Wert
Treiber: Hoher Anteil an Trägeröl (Isopar), das verdampft werden muss (Energie + Materialverlust). Zusätzliche Emissionen durch Lösungsmittel-Herstellung und -Entsorgung.
Nachteil: Prozessbedingte Verdampfung von ca. 20–30 % des Gewichts.
UV-Inkjet ca. 15.4 g CO2 / m²
Treiber: Hohes Gewicht der Tinte pro m² (dickere Schicht) und energieintensive Herstellung der Acryl-Monomere. UV-Härtung benötigt zusätzliche Energie.
Nachteil: Hoher Materialeinsatz für gleiche Deckkraft.
Wasserbasierter Inkjet ca. 2.8 g CO2 / m²
Niedriges Tintengewicht, aber hoher Energiebedarf für die Trocknung (Verdampfung von Wasser).
Vorteil: Geringes Materialgewicht. Nachteil: Thermischer Energiebedarf.

Fazit: Nachhaltigkeit ist berechenbar


Kein Greenwashing, nur Physik

Die Strategie von Xeikon zeigt: Echte Nachhaltigkeit kommt nicht aus dem Marketing, sondern aus der Technik. Der Wechsel zu recycelten Rohstoffen, die Vermeidung von Luftfracht und die Entwicklung energieeffizienter Motoren sind messbare Grössen.

Für Sie als Kunde bedeutet das: Wenn Sie eine Technologie wählen, die physikalisch bedingt weniger Material verbraucht (Toner vs. dicke UV-Schicht) und keine Lösungsmittel verdampft, senken Sie Ihren eigenen Scope-3-Fussabdruck automatisch – und erfüllen die PPWR-Anforderungen an die Klimabilanz Ihrer Verpackungen.

Im nächsten Teil betrachten wir die Technologie im Detail: Wo liegen die versteckten Risiken bei VOC, PFAS und der Recyclingfähigkeit?