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PSO-Fakten und Zusammenhänge
Die Rubrik Wissen soll kein Datengrab sein, sondern ein praxisnahes Nachschlagewerk für alle, die im Druckalltag mit PSO, ISO-Normen und Fogra-Daten arbeiten und schnelle, verlässliche Antworten brauchen. Hier bündeln wir Hintergründe, Zusammenhänge und Kennzahlen so, dass man ohne Normen-Wälzen versteht, was hinter Begriffen wie PSO V3, FOGRA51/52 oder ISO 12647-2:2013 steckt – und wie man sie im Betrieb sinnvoll anwendet.PSO V3 basiert direkt auf einer Reihe von ISO-Normen für den Offsetdruck. Die wichtigsten sind:
Aktuelle ISO-Standards:
ISO 12647-2:2013 – Prozesskontrolle für den Offsetdruck (Herzstück, regelt u. a. Tonwertzuwachs, Farborte, Druckbedingungen).ISO 13655:2009 – Messbedingungen für spektrale Messgeräte (z. B. M0–M3 für optische Aufheller).
ISO 12647-7:2016 – Proofing-Bedingungen, verbindliche Farbprüfungen.
ISO 12647-8:2012 – Validierungsdruck (Digitalproofs, die Produktionsbedingungen simulieren).
ISO 3664:2009 – Beleuchtungsbedingungen für farbverbindliche Beurteilung.
ISO 12646:2015 – Anforderungen an Monitore für farbverbindliche Darstellung.
ISO 15339-1:2016 – Charakterisierungsdatensätze für Druckprozesse (Multicolor / Austauschbarkeit).
ISO 17972-4:2018 – Austausch von spektralen Messdaten (CxF/X-4 für Sonderfarben).
Info Implemetierung Messgeräte:
Der Eintrag „PSO 2016“ im Techkon-SpectroDens bedeutet nicht, dass es eine neue ISO-Norm nach 2013 gibt, sondern dass Fogra/UGRA den PSO V3 ab 2016 offiziell eingeführt und auf Basis der ISO-Normen implementiert hat.
Infos zu ISO und PSO V3:
Die ISO 12647-2:2013 ist die letzte gültige Fassung für den Bogenoffset. Sie wurde seither nicht nachgebessert oder revidiert.2015/2016 hat die Fogra die Umsetzung für den „Prozess-Standard-Offset V3“ veröffentlicht. Dabei wurden die Charakterisierungsdaten FOGRA51 (gestrichenes Papier) und FOGRA52 (ungestrichenes Papier) eingeführt.
„PSO 2016“ im Gerät bezeichnet also das Fogra-Update auf Basis der ISO-Normen, nicht eine neue ISO. Es ist ein praxisnahes Set von Zielwerten und Toleranzen, die aus ISO 12647-2:2013 + ISO 13655:2009 (M1-Messbedingung) abgeleitet wurden.
Der Wechsel von den alten FOGRA39/47-Daten auf FOGRA51/52 war der eigentliche Bruch, weil optische Aufheller (OBA) und neue Messbedingungen berücksichtigt werden mussten.
ISO 12647-2 (Offsetdruck) – Entwicklung
2004: ISO 12647-2:2004– Basis für den ersten PSO V1.
– FOGRA27/FOGRA28 (charakterisierte Druckbedingungen).
– Messung damals nur M0 (Standardlicht ohne UV).
2007: ISO 12647-2:2004+Amd1:2007
– Grundlage für PSO V2 (2007/2008).
– FOGRA39 (gestrichen), FOGRA47 (ungestrichen).
– Wurde zum Standard-Referenzdatensatz im Offset (ISOcoated v2 etc.).
– Weiterhin M0.
2013: ISO 12647-2:2013
– Aktuelle Fassung, bis heute gültig.
– Wichtige Änderungen: Einbezug von ISO 13655:2009, also neue Messbedingungen (M1: D50 mit UV-Anteil → berücksichtigt optische Aufheller).
– Ab hier neue Charakterisierungsdaten erforderlich.
PSO-Generationen (Fogra/UGRA Umsetzung)
PSO V1 (2004–2007)– Beruht auf ISO 12647-2:2004.
– FOGRA27/28.
PSO V2 (2007–2013)
– Auf Basis ISO 12647-2:2004 + Amd1:2007*.
– FOGRA39 (gestrichen), FOGRA47 (ungestrichen).
– Sehr lange weltweit Standard.
PSO V3 (ab 2016)
– Umsetzung von ISO 12647-2:2013 durch Fogra/UGRA.
– Einführung von FOGRA51 (PSOcoated_v3) und FOGRA52 (PSOuncoated_v3).
– Berücksichtigung von optischen Aufhellern durch M1-Messbedingung.
– Bezeichnung in Messgeräten oft „PSO 2016“.
Kurz: Amd1:2007* = erstes offizielles Änderungsdokument zur 2004er Norm.
Im ISO-Regelwerk heißt das:
„Amendment“ = Ergänzung oder Änderung zu einer bestehenden Norm.
Die ISO 12647-2:2004 wurde nicht komplett neu aufgelegt, sondern durch dieses Amendment 2007 angepasst. In diesem Fall wurden u. a. die Sollwerte und Toleranzen für den Tonwertzuwachs (TVI) und die Farbordnung konkretisiert.
Damit entstand die Fassung ISO 12647-2:2004 + Amd1:2007, die dann für den PSO V2 (Fogra39/47) maßgeblich war.
Volltondichten - Farborte nach PSO
Im PSO-Standard sind die Farborte der Prozessfarben als CIE-Lab-Werte definiert. Die Skalafarben CMYK müssen diese Lab-Zielwerte im Vollton erreichen, damit der Farbeindruck der reinen CMYK-Farben und ihrer Mischungen im Übereinanderdruck der Norm entspricht.Da Druckmaschinen in der Regel nach der Volltondichte (Dmax) regeln, muss der Maschine für jede Farbe eine geeignete Ziel-Volltondichte hinterlegt werden. Auf diese Volltondichte regelt das Messsystem der Maschine und hält sie im Auflagendruck möglichst konstant. Idealerweise führen diese Volltondichten auch dazu, dass die Tonwertzunahme weitgehend dem PSO-Standard entspricht. Wenn alle Parameter sauber zueinander passen, sind für die Kalibration nach PSO in der Praxis nur noch geringe Korrekturen nötig. Einen Druckbogen deutlich zu überfärben und dann in der Kalibration massiv „nach unten“ zu korrigieren, ist nicht sinnvoll und führt zu grossen Schwankungen in der Auflage sowie zu schlechter Trocknung mit den entsprechenden Folgewirkungen.
Für die Farbserien der hubergroup sind die folgenden Volltondichten definiert:
Dichten (Dmax):
| Black | 1,85 - 1,95 |
| Cyan | 1,40 - 1,55 |
| Magenta | 1,35 - 1,50 |
| Yellow | 1,30 - 1,45 |
Wir gehen davon aus, dass in dieser Grössenordnung auch die Farbserien anderer namhafter Farbhersteller liegen. Grundsätzlich handelt es sich um angenäherte Standardwerte. Je nach Maschine und der Kombination aller an der Farbübertragung beteiligten Einflussgrössen werden diese Werte leicht unter- oder überschritten. Daher ist oben kein fixer Wert, sondern ein Zielkorridor angegeben.
