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Technologie-Realität: Der transparente Check

Daten zu Chemie, Emissionen und Recycling

Jede Drucktechnologie hat physikalische Stärken und Grenzen. Im Kontext der PPWR und verschärfter Chemikalienverordnungen (wie PFAS, VOC, Migration) werden bestimmte Eigenschaften jedoch zum entscheidenden Kriterium für die Marktzulassung. Dieser Vergleich basiert auf technischen Datenblättern, regulatorischen Bewertungen (u.a. Dr. Lode Deprez, Xeikon) und INGEDE-Studien.

Ziel ist es, die technologischen Eigenschaften neutral den regulatorischen Anforderungen gegenüberzustellen, damit Sie die passende Lösung für Ihr spezifisches Substrat und Ihre Anwendung wählen können.

1. Das Lösungsmittel-Problem (VOC)


Verdampfung vs. Feststoff-Prozess

Ein wesentlicher Unterschied liegt im Aggregatzustand der Farbe während des Druckprozesses und den daraus resultierenden Emissionen.

  • Trockentoner (Elektrofotografie): Arbeitet zu 100% feststoffbasiert. Es werden keine Lösungsmittel verwendet. Es entstehen keine VOC-Emissionen (Volatile Organic Compounds) während des Drucks. Der Toner wird thermisch fixiert, ohne dass Stoffe verdampfen müssen.
  • Flüssigtoner: Basiert auf einem Trägeröl (typischerweise Isoparaffine wie Isopar-L, C11-13).
    Der Prozess: Das Lösungsmittel muss nach dem Transfer vom Gummituch auf das Substrat vollständig verdampfen. Daten zeigen, dass bis zu 30% des Gewichts der Flüssigtinte aus diesem Lösungsmittel bestehen, das erst nach 24 Stunden bei 45°C oder über mehrere Tage bei Raumtemperatur entweicht.
    PPWR-Relevanz: Prozesse mit Lösungsmittelverdampfung stehen zunehmend unter Beobachtung hinsichtlich Emissionsgrenzwerten und Rückständen (MOSH/MOAH).
  • UV-Inkjet: Lösungsmittelfrei, aber basiert auf reaktiven Monomeren, die durch UV-Licht vernetzen.

2. Chemische Zusammensetzung & Barriereeigenschaften


Migrationssicherheit ohne Zusatzschichten

Für den Lebensmittelkontakt ist entscheidend, ob der Druckfilm selbst als Barriere wirkt oder ob zusätzliche Schichten nötig sind.

  • Trockentoner (Polyesterbasis): Der Tonerfilm aus Polyester wirkt als eigene funktionelle Barriere. Er verhindert effektiv die Migration von Substanzen aus dem Druckbild. Für die meisten Lebensmittelanwendungen ist keine zusätzliche Lackschicht oder Folie nötig – das unterstützt den Monomaterial-Ansatz.
  • Flüssigtoner (Polyethylenbasis): Die Basis ist oft Polyethylen (PE). PE gilt per se nicht als funktionelle Barriere gegen Migration.
    Folge: Für Food-Anwendungen muss oft eine zusätzliche Barriereschicht (Lack oder spezielle Folie) aufgebracht werden. Dies erschwert das Recycling (Verbundstoff).
  • PFAS-Risiko (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen): Um den sauberen Transfer der Farbe vom Gummituch auf das Substrat zu gewährleisten, enthalten viele Flüssigtoner-Systeme fluorierte Additive (z.B. PTFE/Teflon). Analysen (u.a. für dänische Umweltzeichen) zeigten in der Vergangenheit bis zu 22-mal höhere Werte an organischem Fluor im Vergleich zu Trockentoner-Drucken. Die EU plant ein weitreichendes Verbot von PFAS. Technologien, die strukturell auf Fluor für den Prozess angewiesen sind, tragen ein regulatorisches Risiko.

3. Recycling: De-Inking vs. Störstoff


Verhalten im Papier- und Kunststoffkreislauf

Die PPWR fordert hohe Recyclingquoten. Das Verhalten der Druckfarbe im Recyclingprozess ist daher entscheidend.

  • Papier-Recycling (INGEDE):
    • Trockentoner: Zertifiziert de-inkbar. Die Partikel lösen sich im Flotationsprozess sauber von der Faser. Das Papier kann zu weissem Recyclingpapier werden (Kreislauf geschlossen).
    • Flüssigtoner & UV-Inkjet: Bilden einen geschlossenen Polymerfilm. Dieser löst sich oft nicht sauber ab, sondern zerbröselt zu „Stickies“ (klebrige Partikel), die Siebe verstopfen und das Rezyklat verschmutzen. INGEDE und grosse Recyclinghöfe stufen solche Drucke oft als Störstoff ein, was zum Ausschluss aus dem hochwertigen Papierrecycling führt.
  • Kunststoff-Recycling:
    • Trockentoner: Löst sich im Waschprozess von Folien oft gut ab, da keine chemische Vernetzung mit dem Substrat stattfindet.
    • UV-Inkjet: Die chemisch vernetzte Schicht ist extrem haltbar – ein Vorteil für den Gebrauch, aber ein Nachteil im Recycling. Sie verbleibt als Fremdpolymer im Rezyklat und kann die Qualität mindern.

Vertiefung: Die physikalischen Hintergründe zu Molekülgrösse und Migration finden Sie in unserem Grundlagenartikel Trockentoner vs. Inkjet.

4. Transparenz der Inhaltsstoffe (DoC & NDA)


Die Dokumentation als Pflicht

Unter der PPWR und der Swiss Ordinance sind Sie als Verpackungshersteller verpflichtet, eine Declaration of Compliance (DoC) zu erstellen. Dafür benötigen Sie die exakte chemische Zusammensetzung (Statement of Composition, SoC) aller Materialien.

  • Offene Systeme (Trockentoner/Hubergroup): Die Zusammensetzungen sind dokumentiert und konform mit den Positivlisten (Swiss Ordinance, GIO). Sie erhalten die SoC ohne Einschränkungen und können sie legal an Ihre Kunden (Abfüller) weitergeben.
  • Proprietäre Systeme (NDA-Risiko): Bei einigen Spezialtinten gelten die Rezepturen als Betriebsgeheimnis und werden nur unter Geheimhaltungsvereinbarung (NDA) herausgegeben.
    Das Dilemma: Unterschreiben Sie ein NDA, dürfen Sie die Details oft nicht an Dritte (Ihren Kunden) weitergeben. Tun Sie es doch (für die DoC), verletzen Sie das NDA. Tun Sie es nicht, ist Ihre DoC unvollständig. Diese Intransparenz wird 2030 zum Ausschlusskriterium werden.

Zusammenfassung: Technologie-Matrix

Kriterium

Trockentoner

Flüssigtoner

UV-Inkjet

VOC-Emission Keine (Feststoff) Ja (Isopar-Verdampfung) Keine (aber Monomere)
Barriere-Wirkung Ja (Polyester) Nein (PE, oft Lack nötig) Abhängig von Vernetzung
PFAS-Risiko Gering / Keines Erhöht (Transfer-Hilfe) Gering
De-Inking (Papier) Ja (INGEDE-zertifiziert) Problematisch (Stickies) Nein (Vernetzt)
Transparenz (DoC) Vollständig (Ohne NDA) Oft eingeschränkt (NDA) Variabel

Fazit: Die richtige Wahl für den Kreislauf


Technologie folgt dem Material

Es gibt keine „beste“ Technologie für alles. Aber es gibt die beste Technologie für den gewünschten Kreislauf. Für Papierverpackungen, die recycelt werden sollen, ist der Trockentoner aufgrund der De-Inkbarkeit und der fehlenden VOC-Emissionen die logische Wahl. Für dünne Kunststofffolien, bei denen Hitze ein Problem ist, kann UV-Inkjet sinnvoll sein – solange das Design recyclinggerecht (wenig Farbe) ist und die Vernetzung sicher gewährleistet wird.

Transparenz bei den Inhaltsstoffen und das Fehlen von regulatorischen Risiken (PFAS, NDA) sollten dabei die Basis jeder Investitionsentscheidung für 2030 sein.